zur allgemeinen künstlerischen praxis

Mein Anliegen ist es, die transzendente Wahrnehmung der Wirklichkeit zu beobachten und darzustellen. Dazu habe ich mir ein thematisch weit gefächertes Gebiet erschlossen, das sich von Landschaften, Interieurs, Tier- und Pflanzendarstellungen bis hin zu Buchstaben und Texten erstreckt.
Ungeachtet der breiten Themenwahl geht es immer um die Erforschung der geistigen Welt, die der gegenständlichen zugrunde liegt, sich jedoch im Verborgenen befindet und sich damit eigentlich der bildlichen Darstellung entzieht.
In den letzten Jahren entstanden unter anderem vier große Serien, an denen ich bis heute arbeite. Außerdem verfasse ich lyrische Texte, die sich wiederum einer sehr bildhaften Sprache bedienen.

aus der zwischenwelt

Die Sammlung beinhaltet kollektive Erinnerungsbilder und umfasst mittlerweile weit über 100 Zeichnungen bzw. Bilder.
Die Zwischenwelt ist die Sphäre einer Wirklichkeit zweiten Grades, der Erinnerung, der Aura, der Wandlung und des Todes. Thema ist der Wandlungsprozess von Erinnerungs-Urbildern, die über persönliche Geschichten hinausgehen, oft unspektakuläre Szenen, die aber umso nachhaltiger auf uns und unser Weltbild wirken.
Wenn ein Bild mit einem Eindruck dieser geistigen Sphäre übereinstimmt, werde ich aufmerksam: Als Inspiration kann mein unmittelbares Umfeld dienen, aber auch unscharfe Schnappschüsse, vergilbte Familienfotos, Randszenerien in Bildbänden, fotografierte Filmstills, digital bearbeitetes Bildmaterial.
Mit der Zeichnung beginnt die persönliche Aneignung des Bildes, die den Wandlungsprozess der Erinnerung einer Erinnerung in den sichtbaren Bereich rückt. Schließlich koppeln sich die Bilder von der persönlichen Erinnerung ab: Sie entwickeln ein Eigenleben und scheinen untereinander ihre eigenen Bezüge zu suchen, miteinander zu flüstern. In diesem Raunen entstehen wiederum andere, im Grunde nur vermeintliche Geschichten – in einer weiteren Zwischenwelt.

elemente

Bei der Einteilung der Elemente beziehe ich mich auf verschiedene Modelle aus dem europäischen und außereuropäischem Raum.
Zu Wasser, Feuer, Erde und Luft nehme ich auch noch Raum und Licht hinzu. Es geht mir um die Darstellung der unterschiedlichen großen "Gegeben- oder Geworden-heiten" (dhatu), aus deren Zusammenspiel sich die erlebte Welt zusammensetzt. Hierbei liegt der Schwerpunkt immer bei einem Element oder zwei Elementen.
Bei den Darstellungen steht jedoch immer die geistige Welt im Vordergrund. Man sollte sich durch die menschenleeren oder unbewohnten Szenerien nicht täuschen lassen. Die Welt ist als erfahrbare Welt nur über die Wahrnehmung zugänglich. Dadurch gerät über den Ausgangspunkt der Materie, des Sichtbaren, das Geistige, das Unsichtbare, in den Blickpunkt - und damit die Frage, was es ist, wodurch die Welt erscheint, wie sie erscheint.

textzeichnungen

Schrift und Buchstaben fasse ich ebenfalls als Motiv einer gegenständlichen Zeichnung auf. Die vermeintlich gedruckten Buchstaben werden erst bei genauerem Hinsehen zu dem, was sie eigentlich sind: Gezeichnete Zeichen.
Das steht im Gegensatz zu den Druckerzeugnissen für die Masse: Mir geht es um die Rückbesinnung auf die persönliche Wahrnehmung, die sich eben nicht mit einer vorgefertigten und beliebig reproduzierbaren Welt begnügt.
Die Zeichnungen stellen knappe, bis zum Äußersten verdichtete Texte dar, Sätze, die im Kopf bleiben: Dies kann eine spontane Beobachtung sein oder aber das Ergebnis längeren Überlegens.
Die Texte geben Momentaufnahmen wieder, oft aus ungewohnten Blickwinkeln, sodass die bisher fraglos hingenommene und allzu fest gefügte Welt neue Blickwinkel offenbart, Merk- oder Denkwürdiges preisgibt oder, im besten Fall, auf verborgene Wahrheiten stoßen lässt.

12

In 12 quadratischen Feldern sind jeweils Zahlen, Buchstaben, Farben und naturalistische Darstellungen, oft aus dem Bereich Fauna und Flora, abgebildet.
Aus diesem scheinbaren Nebeneinander von Dingen entsteht eine Art synästhetische Naturzeichnung: Das über verborgene Assoziationswege ins Unterbewusste zusammengekommene Gesamtbild offenbart plötzlich neue Zusammenhänge.
Die 12 Felder bilden gewissermaßen einen mikroskopisch betrachteten Ausschnitt des Makrokosmos im Kopf.

die serien: zeichnungen und collagen

„Korvin Reich zeigt in seinen Zeichnungen und Collagen aus ge­funden­en Bildern die Brüchig­keit des all­täg­lichen, scheinbar ganz normalen Lebens auf. Mit großer Liebe zum hinter­sinnigen Humor verschiebt er Situa­tionen, Hand­lungen und Zusam­men­hänge und er­schafft so gänzlich Unerwartet­es und doch allzu Ver­trautes. Die bild­lichen Ebenen kombi­niert er mit subtilen Texten, wodurch beim Betrach­ten neue Räume entstehen und das ursprüng­liche Bild ins Wanken gerät.“ ausstellungstext kunstraum t27

© 2006–2017 Korvin Reich